Bildungsgerechtigkeit im Blick – Fachtagung „Starke Schule, starke Lehrkräfte, starke Kinder“

Ein besseres Verständnis für Bildungsbenachteiligung zu schaffen und Impulse für Bildungsgerechtigkeit aus Wissenschaft und Praxis zu geben - darum ging es gemeinsam mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten und Schulen im Rahmen der Fachtagung "Starke Schule, starke Lehrkräfte, starke Kinder" des Pädagogischen Landesinstituts am 12. Oktober in Speyer.

"Nicht alle Kinder haben das Glück, aus einem Umfeld zu kommen, das fördert und fordert, das ihnen gute Voraussetzungen für ihre Bildung bietet, das ihnen ermöglicht, ihre Talente und ihr Können zu entfalten. Unsere Schulen, und im Vorfeld unsere Kitas, sind deshalb die Orte, an denen Bildungsungerechtigkeit abgebaut werden kann. Sie leisten einen erheblichen Beitrag dazu, dass die soziale Herkunft weniger Einfluss auf die Bildungschancen von Schülerinnen und Schülern hat", betonte Bildungsministerin Dr. Stefanie Hubig zu Beginn der Tagung.

Auch Dr. Birgit Pikowsky, Direktorin des Pädagogischen Landesinstituts, verdeutlichte dies mit Blick auf die Zielsetzung der Lehrkräftefortbildung: "Dass in Deutschland der Lernerfolg von Schülerinnen und Schülern noch immer stark von der sozialen Herkunft abhängt, wie der aktuelle IQB-Bildungstrend belegt, möchten wir so nicht hinnehmen. Mit Hilfe der erfolgreichen Programme für Schulen in Rheinland-Pfalz "S4 - Schule stärken, starke Schulen" und "Schule macht stark" sowie der heutigen Fachtagung möchten wir ein Gegengewicht schaffen."

Gerade die verschiedenen Perspektiven und Herangehensweisen aus dem Tagungsprogramm seien zudem wichtig, um einem so komplexen Phänomen wie Bildungsgerechtigkeit zu begegnen: Das Verstehen, Erleben und Nachempfinden von Bildungsbenachteiligung durch den aus Kaiserslautern stammende Autor Christian Baron mit einer Lesung aus seinem Buch "Ein Mann seiner Klasse", in dem er sein Aufwachsen in Armut literarisch verarbeitet hat. Dieser Blick erhält ein Fundament durch die Perspektive der Wissenschaft und Bildungsforschung. Professor Dr. Kai Maaz zeigte die Erscheinungsformen, Ursachen und Auswirkungen von Bildungsungleichheiten auf Bildungsbiografien anhand aktueller wissenschaftlicher Befunde auf.

Schulentwicklungsforscherin Professorin Dr. Ulrike Lichtinger beschrieb auf der Grundlage der positiven Psychologie und empirisch validierter Interventionen wie Schulen basierend auf ihren Stärken bei ihrer Entwicklung unterstützt werden können und wie Kindern Lernwege und Lernfortschritte erlebbar gemacht werden. Sie machte deutlich, dass insbesondere auch an Schulen in herausfordernden Lagen die Arbeit nach diesem Konzept zu signifikanten Steigerungen des Wohlbefindens und der schulischen Leistungen geführt hat.

Aus dieser Perspektive der Schulpraxis ließen anschließend Schulteams der Projektschulen der Programme "S4 - Schule stärken, starke Schulen" und "Schule macht stark" die Teilnehmenden in Workshops an ihren Erfahrungen und Wegen teilhaben, wie sie der Herausforderung Bildungsgerechtigkeit und Bildungsungleichheit begegnen.

"Erfahrungen und Erkenntnisse kann man natürlich nicht einfach kopieren, das wäre zu einfach gedacht, so funktioniert Transfer nicht. Aber wir können Dinge "kapieren" und lernen, diese auf die eigene Erfahrungswelt, die eigene Schule zu übertragen", fasste Pikowsky die Relevanz der Praxiserfahrungen, aber auch des Zusammenspiels aller Perspektiven zusammen.

Der abwechslungsreiche Tag bot neben diesen Impulsen zahlreiche Gelegenheiten zur Reflexion der eigenen schulischen Praxis und zum Austausch mit anderen Teilnehmenden. Die gut besuchte Tagung richtete sich entsprechend insbesondere an Schulleitungen sowie Lehrkräfte aus Schulen in herausfordernder Lage, stand aber grundsätzlich allen interessierten Schulen offen.